Kavalierhöfe

ei_april_07_img_6021.jpg

Mit der Zeile der Kavalierhöfe schuf Gabrieli die südliche Begrenzung des Residenzplatzes und verlieh durch die sich vergrößernde Distanz zur Residenz hin dieser ihre absolutistische Wirkung. Ihre Stellung verleiht dem städtebaulich herausragenden Platz seinen unregelmäßigen Grundriss.

Es handelt sich um vier zusammenhängende Höfe, die über ein durchgehendes Mansarddach verfügen. Sie entstanden zwischen 1730 und 1736. Der Auftraggeber Franz Ludwig Schenk von Castell erlebte die Vollendung nicht mehr. Gabrieli, der damals mehrere Projekte gleichzeitig betreute, handelte sich wegen der schleppenden Durchführung eine Ordnungsstrafe ein. Für dieses Projekt mussten einige ältere Domherrenhöfe beseitigt werden. Gabrielis Häuser waren vorgesehen als Wohnungen für den Obrist-Hofmarschall, den Obrist-Stallmeister, den hochfürstlichen Landvogt und für fürstliche Gäste (im Verlauf von West nach Ost). Später wurden sie auch als Ministerhöfe bezeichnet. An der Rückseite sind durch jeweils zwei Flügel im rechten Winkel Höfe ausgebildet. Nach der Säkularisation gingen die Gebäude in Staatsbesitz über. Sie wurden mehrfach modernisiert. Heute sind darin das Finanzamt und Dienststellen der staatlichen Forstverwaltung und des Staatlichen Hochbauamts Ingolstadt untergebracht.

Gabrieli behandelte die Häuser architektonisch gleichrangig. Jeder Hof verfügt an der Platzfront über sieben Fensterachsen, wobei jeweils drei einen flachen Mittelrisalit bilden. Die beiden inneren Risalite werden von geschweiften Giebeln abgeschlossen, die äußeren, sozusagen als Rahmung, von dreieckigen. Stark aus der Fassade hervor treten die Portale mit ihren Hermenpilastern und geschweiften Bedachungen. Ähnliche Portalarchitekturen finden sich an der 1749 von Gabrielis bedeutendstem Mitarbeiter, Domenico Barbieri, erbauten Domkapiteltrinkstube (Pater-Philipp-Jeningen-Platz 4) und am Grabmal Gabrielis auf dem Ostenfriedhof. In den stuckierten Kartuschen über den Portalöffnungen erscheinen die Wappen des Bauherrn - bei Nr. 10 und 12 ist es bereits Johann Anton von Freyberg. In der Gebäudemitte sind die Fenster durch wechselnde Verdachungen mit stuckierten Masken und Kartuschen betont. Feiner Régencestuck ziert die gesamten Fensterfaschen. Die Durchfahrt in den Hof ist flach gedeckt. Seitlich setzt jeweils der Treppenaufgang mit einem Podest an. Der Flur in den Obergeschossen besteht aus einem Vorplatz, um den sich die verschiedenen Zimmer gruppieren.

Mit den Kavalierhöfen hinterließ Gabrieli seine wohl dekorativsten Eichstätter Fassaden. Von der Korrespondenz zwischen Residenz und Kavalierhöfen wird der höfische Platz geprägt.

(Dr. Emanuel Braun)

Loading...