Meldung vom 24. August 2026 (14:49 Uhr)
Geschichte, Handwerk und moderne Bestattungskultur
Ein fast 500 Jahre alter Gottesacker, eine frisch sanierte Kapelle, historische Grabdenkmäler und die Kultur der Bestattungen und der Trauerarbeit im Wandel: Am Sonntag, 13. September, beteiligt sich die Stadt Eichstätt in Kooperation mit dem Historischen Verein Eichstätt und dem Staatlichen Bauamt Ingolstadt sowie dem Malteser Hilfsdienst am bundesweiten Tag des offenen Denkmals. Im Mittelpunkt stehen der historische Ostenfriedhof und die Kapelle Maria Schnee. Ein Gottesdienst, insgesamt fünf kostenfreie Führungen sowie ein offenes Informationsangebot des Eichstätter Standesamtes eröffnen den Besucher/-innen von 10 bis 17 Uhr ganz verschiedene Blickwinkel auf einen der geschichtsträchtigsten und zugleich stillsten Orte der Stadt.
Der Tag beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst, der von Pfarrer Alfred Grimm geleitet und von der Stadtkapelle musikalisch gestaltet wird – direkt am Friedhof, in der Kapelle Maria Schnee. Dieses Denkmal aus dem 16. Jahrhundert gehört zum historischen Kern des Gottesackers und wurde bis Ende 2025 durch das Staatliche Bauamt Ingolstadt umfassend saniert, aktuell laufen noch letzte Arbeiten im Innenraum.
Diese Tatsache wird dann gleich nach dem Gottesdienst erlebbar: Denn Dr. Claudia Grund, Kunsthistorikerin und Stadtheimatpflegerin, führt gemeinsam mit Ulrike Buller-Lörsch, Architektin am Staatlichen Bauamt Ingolstadt und verantwortlich für die Sanierungsmaßnahme, Interessierte über den Friedhof und durch die Kapelle. Während Grund die Geschichte des Ostenfriedhofs, die Entstehung und Entwicklung der Kapelle sowie deren Ausstattung in den Blick nimmt, öffnet Buller-Lörsch den Blick für die baulichen Besonderheiten: Sie berichtet aus erster Hand über die Sanierung der Kapelle und der Friedhofsmauer, den historischen Dachstuhl und das für das Bauwerk charakteristische Legschieferdach auf dem Gotteshaus. Die Führung wird an diesem Tag zweimal angeboten: um 11 Uhr und 13.30 Uhr, Start ist jeweils an der Kapelle Maria Schnee.
Auch mit Grabstellen, aber aus einer anderen Perspektive, beschäftigt sich im Anschluss Anne Fröhlich. Die Kreisgartenbeauftragte zeigt um 14.30 Uhr unter dem Motto „Natürlich und nachhaltig – heimische Pflanzen für die Grabgestaltung“, welche heimischen Pflanzen sich für eine naturnahe, nachhaltige und zugleich pflegeleichte Grabgestaltung eignen. Sie gibt praktische Tipps, erläutert empfehlenswerte Lösungen und zeigt, worauf bei der Pflanzenauswahl besser verzichtet werden sollte. Die Führung startet an der Kapelle Maria Schnee.
„Grabsteine erzählen“ nennt dann Steinmetzmeister und Bildhauer Rupert Fieger sein Angebot, das den Abschluss der Führungen an diesem Tag bildet. Er bietet zweimal - um 15 Uhr und 16.30 Uhr - Rundgänge an, bei denen er den Friedhof aus handwerklicher und restauratorischer Perspektive erschließt und Natursteine und Bearbeitungstechniken, Schriftgestaltung, Symbole und typische Schadensbilder erläutert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem für Eichstätt prägenden Jura-Kalkstein sowie auf der Frage, wie historische Grabmale fachgerecht erhalten und individuelle Grabzeichen heute gestaltet werden können. Treffpunkt ist jeweils am Leichenhaus.
Malteser und Standesamts-Team informieren vor Ort
Der Hospizdienst des Malteser Hilfsdienstes e.V. wird von 15 bis 17 Uhr mit einem Stand vor Ort sein und über die Angebote zur Trauerbegleitung informieren. Ehrenamtliche Trauerbegleiter/-innen werden bei Bedarf für Gespräche zur Verfügung stehen.
Darüber, wie der Friedhof heute genutzt wird und wie er sich verändert, können sich Besucher/-innen zwischen 10 und 17 Uhr außerdem an einem Informationsstand des Standesamtes Eichstätt an der Kapelle informieren. Das Team der Friedhofsverwaltung bringt die Themen Bestattungsformen und Grabarten mit, zeigt aber auch gerne den digitalen Friedhofsplan, mit dem Gräber in Sekundenschnelle am Handy gefunden werden können.
Die Veranstaltung ist außerdem Teil des Ortsteilbegehungs-Programms der Stadt Eichstätt 2026. Alle Angebote sind kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt.
Deutschlands größte Kulturveranstaltung für die Denkmalpflege
Der Tag des offenen Denkmals wird seit 1993 bundesweit von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert. Jedes Jahr öffnen Kommunen, Kirchen, Vereine, Initiativen, Eigentümer/-innen sowie Denkmalpflegende historische Orte, die sonst häufig nicht oder nur eingeschränkt zugänglich sind. Ziel ist es, Baukultur, Geschichte und die praktische Arbeit der Denkmalpflege unmittelbar erfahrbar zu machen. Der Aktionstag 2026 steht unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“. Der Ostenfriedhof ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel: Seit Jahrhunderten ist er nicht nur Begräbnisstätte, sondern zugleich ein Ort des Glaubens, des Erinnerns, der Kunst, des Handwerks und der städtischen Identität.
